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" … Keine Gipfelkonferenz gegen den
Terror, unter deren Teilnehmern die Akteure eines straflosen Staatsterrors sind,
wird uns davor retten, zu Opfern des Terrors zu werden., sondern nur eine
scharfe Kehrtwendung in der israelischen Politik, die eine Zusicherung der
legitimen Rechte der Palästinenser zum Inhalt haben muss: das Recht der Selbstbestimmung,
das Recht der Flüchtlinge, in ihre Heimat zurückzukehren, das Recht auf
Entschädigung für jene, die nicht zurückkehren wollen, das Recht, als
Menschen zu leben, frei von unserer Herrschaft und als gleichberechtigte
Nachbarn. Wer mit Israel sympathisiert und sein Wohl will, muss ihm diese
Richtung anraten, wenn er wirklich die Fahne eines gerechten Friedens unter den
Völkern hochhält. Andernfalls wird der Friede nur ein Wort sein, eine bequeme Wahlparole
für politische Führer und ihre Gefolgschaft. Und es wird ein Prozess ohne
Frieden bleiben."
( aus: "Lasst uns wie Menschen leben". März 1996)
Felicia Langer - Anwältin für einen gerechten
Frieden
"Tausende von Gerichts- und Prozessakten
über Gefangene, Gefolterte, Getötete und Deportierte, über beschlagnahmtes
Land und Häusersprengungen gingen durch ihre Hände; Tausenden von
Palästinensern versuchte sie mit ihrem juristischen Wissen und ihrer Erfahrung,
aber auch mit ihrer menschlichen Wärme zu helfen. Auf vielfältige Weise schlug
Felicia Langer als eine der ersten zwischen dem israelischen und dem
palästinensischen Volk Brücken", heißt es in einem Artikel über die
international bekannte israelische Anwältin. Sie schloss 1990 aus Protest gegen
die Politik ihres Staates, gegen "die Farce" seines Justizsystems ihre
Kanzlei in Jerusalem.
Seither lebt und arbeitet sie - nach dem zweiten
Weltkrieg mit ihrem Mann, der fünf Konzentrationslager des Hitlerregimes
erfahren musste, von Polen nach Israel gekommen- in Tübingen, kämpft nun als
Autorin und Publizistin für die Wahrheit über Nahost. Schon 1990 hatte sie
dafür die hohe Anerkennung durch den "Right Livelihood Award", den
Alternativen Friedensnobelpreis, erhalten. In den folgenden Jahren brachte sie
in dichter Folge im Lamuv Verlag Göttingen mehrere Bücher zu dieser
Problematik heraus, so "Die Zeit der Steine. Eine israelische Jüdin über
den palästinensischen Widerstand", "Zorn und Hoffnung.
Autobiographie" , "Brücke der Träume. Eine Israelin geht nach
Deutschland", "Wo Hass keine Grenzen kennt. Eine Anklageschrift"
, "Lasst uns wie Menschenleben. Schein und Wirklichkeit in Palästina"
und ihre erschütternde Niederschrift der Lagererinnerungen ihres Mannes "Miecius
später Bericht. Eine Jugend zwischen Getto und Theresienstadt".
Es hat mich sehr ermutigt, als mir Felicia Langer
vor kurzem am Telefon sagen konnte, dass sie dennoch - auch unter dem Druck der
schrecklichen Gewaltschraube der letzten Monate - ein neues Buch fertig stellen
konnte. Der Titel "Brandherd Nahost oder: die geduldete Heuchelei"
enthält für mich den bitter-scharfen Kommentar, der sich seit langem stets
einstellt , wenn ich Nahost-Nachrichten/ Bilder/ Reportagen höre. Ob sie unter
diesen lastenden Umständen Kraft und Gesundheit habe, damit wiederum Lesungen
und Diskussionen durchzuführen, fragte ich sie; um das mögliche Wo und Wann
drehte sich unser weiteres Gespräch. Ja, natürlich werde sie fahren, lesen,
sprechen und natürlich (ich sah ihren besonderen, ihren burschikos- charmanten
AugenBlick vor mir) werde sie schon wieder zahlreich eingeladen...
Eine Veranstaltung in Leipzig, in einer der
großen, so anregend unseriösen Kulturhallen des Werk II in der
Windscheidstraße, ließ mich mit ihr um 1997/98 bekannt werden. Nach ihrer
Lesung drehte sich die Debatte intensiv um die hochgradig empörenden
Schachzüge der israelischen Regierung, die inkonsequente "Hilfe" der
internationalen Staaten, so dass ich mich erst danach entschloss, sie
persönlich auch nach ihrem so anderen Leben in Deutschland, ihrem so anderen
"Beruf", dem Schreiben, zu fragen . Und ihr meine Bewunderung für
ihre Publikationen auszusprechen, die eindringliche subjektiv-authentische
Zeugenschaft mit differenzierender Sachkunde und einer intentionell fungierenden
Montage der verschiedenen notwendigen Textarten zu überzeugender
literarisch-publizistischer Qualität vereinen...
So etwas schreibe ich? Felicia Langer fragte ungläubig
zurück, war überrascht, erfreut. Inzwischen konnte ich ihre Arbeit auf einer
größeren Lesereise durch Sachsen, auf zahlreichen Veranstaltungen durch das
Hinweisen auch auf diese Qualität unterstützen. Daher stand nach dem
jüngsten Telefonat mein Vorsatz fest, auch in Leipzig wiederum eine Begegnung
mit ihr vorzubereiten, jetzt, da sich zunehmend Desinteresse ohnmächtig von der
Nahost-Katastrophe abwendet und jede Gelegenheit genutzt werden muss, um
Wahrheit und Protest gegen die "geduldete Heuchelei" hörbar zu
machen.
Es konnte gelingen. Im Rahmen des Programms
"Leipzig liest" kann Felicia Langer am
Sonntag , d. 28. März 2004, um
13.00 im Congress Center der Leipziger Buchmesse
gehört und befragt werden.
Eine Buchpremiere, die unserer Messe als Manifestation eines weltweiten
Diskurses gegen ökonomische und militärische Gewalt, für gleichberechtigte
Lebensmöglichkeiten auf der Erde gut anstehen wird. Die Veranstaltung wird
durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, die AG Lisa Leipzig, der Bund der
Antifaschisten Leipzig, die Freitagswerkstatt "Erzählen und
Schreiben" und das Deutsch-Arabische Kulturhaus unterstützt.
Christel Hartinger. Leipzig
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